Lesenswertes aus der Plus Size Welt 2.0

Body Shaming! Ein relativ neumodisches Wort, zu einem uralten Vorgang. Es ist nichts Neues, dass wir Frauen gerne viel Zeit und Geld in unser Äußeres investieren. Wir wollen gefallen! Uns selber und der Umwelt.

Wenn aber dieser Spaß an Mode, an der eigenen Schönheit umschlägt, wir uns nicht mehr wohl fühlen in der eigenen Haut, weil wir glauben, den aktuellen Trends nicht zu genügen, wenn wir beginnen, uns auf unser Äußeres zu reduzieren und uns nicht mehr annehmen können, wie wir nun einmal sind, dann sprechen wir von „Body Shaming“.

In meiner Wahrnehmung wird dieser Begriff vor allem im Zusammenhang mit dem Körpergewicht genannt. Dabei ist „Body Shaming“ kein Alleinstellungsmerkmal, das nur die übergewichtige Frau betrifft.Fuck

Bei mir fing es jedenfalls bereits an, als ich noch schlank war. Wenn ich mit meinen schlanken Freundinnen spreche, ist ihr Gewicht oft Thema. Bewusst zu Essen, ab und an kürzer zu treten, um Ausgleich für einen temporär ausschweifenden Lebenswandel zu schaffen etc., alles Zeichen einer gesunden Lebenseinstellung. Wo aber fängt der Punkt an, an dem aus einem normalen „auf sich Acht geben“, „Body Shaming“ wird? Wann reduziert sich eine Frau so sehr auf ihr Äußeres, dass sie aufhört sich zu mögen, wie sie ist? Wann stellt sie ihre äußere Erscheinung, die Optimierung ihres Körpers, vor die Freude am Leben und den Genuss? Nach meiner Erfahrung, ist dieser Prozess unmerklich und fließend. Die Weichen werden oft schon in der Kindheit und der Pubertät gestellt. So manches Übergewicht resultiert genau aus diesem Teufelskreis von Selbstabwertung und dem unsensiblen Umgang mit dem weiblichen Körper, durch das Umfeld und die Gesellschaft. Das Bild, der undisziplinierten Dicken, die ihr Essverhalten nicht im Griff hat, ist ein zu kurz gedachtes Klischee und eben nur ein Teilaspekt einer Problematik, die in der Regel andere Ursachen hat als nur eine schlechte Ernährung.

Fackt ist, dicke Menschen haben es schwer in einer Welt, die eine perfekte Fassade mehr zu schätzen weiß, als den eigentlichen Wert eines Menschen. Eine Gesellschaft, die sich anmaßt anhand der Optik etwas über diesen Menschen zu wissen. Sicher haben auch andere mit gewissen Klischees zu kämpfen. Blonde können davon ein Lied singen, die gerne mal als doof gelten, genau wie die sehr, sehr schlanken, die natürlich alle Magersüchtig sind. Manches wird im Scherz gesagt, anderes mit garstigem Unterton. Bei den Betroffenen sorgt es aber für ein inneres Mantra, das sich verstärkt und irgendwann ein Glaubenssatz wird, der sie von innen zerfrisst. Sie glauben sie könnten nicht mehr Glücklich sein, weil sie nicht schlank sind.

Mein Umfeld geht mittlerweile verhältnismäßig verständnisvoll mit mir um. Ich wurde nicht besonders ausgegrenzt, ich bin ja auch krank, da ist mein Übergewicht etwas Anderes. Ist es das?

Ich sage NEIN! Jeder Mensch sollte so sein dürfen, wie er ist. Dick, dünn, blond, braun, groß, klein, laut, leise. Das sind letzten Endes alles nur Adjektive, die über den Kern eines Menschen gar nichts aussagen. Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Das ist so! Das bezieht sich auch auf den Körper. Es wäre aber wünschenswert, wenn wir endlich aufhören würden, unseren Maßstab an andere anzulegen. Was ist das für eine Gesellschaft, die Konfektionsgrößen zum Trend macht und sie über die wirklich aussagefähigen Attribute eines Menschen stellt? Toleranz gibt es im Bezug auf den eigenen Körper scheinbar nicht. Pass ins Raster oder lebe damit, dass andere sich anmaßen, dich zu kennen und sich darum auch das Recht heraus nehmen, dich be- und verurteilen zu dürfen.Fuck1

Passend zu meinen Gedanken, gab es in letzter Zeit einige tolle Artikel zum Thema Selbstakzeptanz.  Gerade auch auf Blogs, die eigentlich eine andere Zielgruppe ansprechen. Ich finde es wichtig zu lesen, dass sich die Frage nach Sinn und Unsinn von „Body Shaming“ auch Frauen stellen, die rein oberflächlich betrachtet eigentlich nicht Betroffen sind. In Zeiten, der perfekt inszenierten Instagram Welt, scheint es nämlich noch viel weniger Platz für Individualität und unkünstliche (Un)perfektion zu geben. Alle wollen die selben Schuhe, die selben Taschen, die selben Key Pieces und am besten den selben durchgestylten, perfekten Körper. Hast du das alles nicht, bist du ein Mensch zweiter Klasse. Ist das wirklich das woran wir uns messen lassen möchten? Ist das der Wert, an dem wir unser Freunde erkennen? Die Frage kann nur jeder für sich selber beantworten.

Bodybashing

das Copyright liegt bei http://zukkermaedchen.de

Das bezaubernde Zuckermädchen hat einen wunderbaren Artikel zum Thema Bodybashing geschrieben.

„This is Jane Wayne“ ist einer der erfolgreichsten deutschen Mode Blogs. Auf jedenfall einer meiner Liebsten. Ich folge den Janes schon länger. Sie sind für meinen Geschmack immer besonders nah an den Trends, berichten sehr vielseitig und durch aus kritisch. Um so mehr habe ich mich über Lisa van Houtems Anti Bodyshaming Artikel gefreut. Danke an dieser Stelle, für die Erlaubnis, das tolle Foto aus dem Artikel verwenden zu dürfen.

body-shaming

Das Foto unterliegt dem Copyright von http://www.janewayne.de

Auch die tollen Mädels von Amazed befassten sich in ihren Kolumnen mit dem Thema Selbstakzeptanz. Antonia nahm das  “Women’s ideal body type throughout history“, Video zum Anlass, um mal kritisch zu hinterfragen, ob wir Frauen uns eigentlich jedem aktuell gültigen Schönheitsideal immer unreflektiert beugen sollten. Amelie fragt sich, ob Kurven die neue Size Zero ist und wie es überhaupt sein kann, dass eine Kleidergröße zum Trend werden kann. Wohin führt die Reise zwischen Thigh Gap und dem omnipräsenten Hinterteil einer Kim Kardashian?

Rubinia vom Blog nimmt die Plus Size Mode vom Kaffeeröster kritisch unter die Lupe. Ich kann ihrem Resümee nur beipflichten. Für mich hat es immer ein Geschmäckle. Diese lieblose Allerweltskleidung, die die Bezeichnung „Mode“ in ihrem eigentlichen Wortsinn kaum verdient hat. Anhand dieser Kollektionen lässt sich erkennen, wie sich viele Menschen Mode für die „typische“ Plus Size Kundin vorstellt. Wer bestimmt aber, was oder wer typisch ist? Ich weigere mich zu glauben, dass diese Kleidung mehr Absatz findet als Mode, die diesen Namen tatsächlich verdient hat. Ich bleibe bei meiner These: Es kommt drauf an, wie man seine verunsicherten Kunden abholt und sie berät. Schau dir den Bericht von Martina über ihren Besuch im Adia Showroom an. Dort findest du auch einige Teile, die ich dir vorenthalten habe. Ein gelungener Gegenentwurf!

Mädels

Copyright liegt bei http://www.rubeniablog.de

Außerdem ist Soulfully online gegangen. Ein Blog des Otto Konzerns. Otto hat sich mit Bloggern aus unterschiedlichen Bereichen zusammen getan hat. Es sind auch viele wunderbare Plus Size Frauen mit im Boot. Ich bin auf die Entwicklung mehr als gespannt und wünsche dem Projekt viel fruchtbaren Boden. Mit Isabell von Dressing outside the Box ist jedenfalls eine der innovativsten und kreativsten deutschen Plus Size Bloggerinnen mit an Bord.

Was hat dich in den letzten Wochen so beschäftigt? Welche Erfahrung hast du mit dem Thema „Body Shaming“ bzw. „Bodybashing“ gemacht? Ich freue mich über einen Austausch in den Kommentaren und freue mich auch über Hinweise zu Lesenswerten Artikeln.

16 Kommentare

  1. Wow so schöne Worte und alles so wahr!
    Was ich einfach nicht ausstehen kann ist Bodyshaming – egal wie dünn oder dick, immer sind da Menschen die deinen Körper kritisieren. Ich war mal pummeliger, da wurd hintemr Rücken getuschelt, dann war ich zu dünn, wurde genauso fertig gemacht. Also: Scheiß drauf – geh deinen Weg! Ich liebe den Artikel von Zuckermädchen 🙂
    Liebe Grüße
    Mai von Monpipit.de

    xox

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    1. Liebe Mai, du bringst es auf den Punkt. Genau diese Erfahrungen habe ich auch gemacht. Als ich schlank war, wurde mir ständig gesagt ich müsse aufpassen, das ich nicht dick werde. Jetzt wo ich es bin wird sicher auch geredet nur nicht mehr so offen. Fakt ist wenn ich mich nicht selber annehme und mich liebe, dann fühle ich mich weder schlank noch dick nicht wohl und biete allen anderen eine Angriffsfläche, weil es mich viel mehr trifft. Schließlich glaube ich ihnen. Die Zeiten sind vorbei! Danke dir für deinen lieben Kommentar.

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  2. Hat dies auf elfephant rebloggt und kommentierte:
    Don’t judge a book by it’s cover, das sagt man so. Dabei messen wir täglich uns und andere an Äußerlichkeiten. Ein schöner Artikel mit weiterführenden Links zum Thema „Body Shaming“ von Me and my Curves

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  3. Das ist wirklich ein toll geschriebener Artikel und eine schöne Übersicht, was es zum wichtigen Thema Bodyshaming/Body Positivity momentan zu lesen gibt! Dankeschön dafür! Ich habe selbst die Erfahrung gemacht und glaube, dass es für viele, viele Menschen (ja, hauptsächlich Frauen, aber es gibt auch Männer) eine Art Offenbarung ist, wenn man sich selbst endlich lieben lernt und sich wirklich schön findet. Man geht dann plötzlich mit anderen Augen durch die Welt, man ist mutiger, hat mehr Ideen, usw. und vor allem kann man auch die Liebe der Menschen um einen herum endlich annehmen. Ich finde, es ist eine Beschneidung der Persönlichkeitsrechte, wenn die Gesellschaft und die Medien Menschen, die in welcher Form auch immer, von einer willkürlich festgesetzten Norm abweichen, dafür stigmatisiert und ihnen nicht die gleichen Möglichkeiten einräumt (alles im Kopf) wie den Angepassten. Tut man das mit anderen Bevökerungsgruppen wird laut Diskriminierung und Rassismus geschrien…

    LG, Lea

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    1. Liebe Leandra, vielen Dank für deine Ausführliche Antwort. Ich kann da nur für mich sprechen. Aber aus meiner Sicht hast du völlig Recht! Es war eine Offenbarung als ich irgendwann die Entscheidung getroffen habe mich anzunehmen. Der Prozess dahin war lang und steinig und ich hätte es mir gerne erspart. Darum glaube ich, das es wichtig ist das bereits junge Menschen dahin geführt werden sollten. Ich glaube das erspart viel Leid und Kummer. Wenn ich auf anderen Blogs lesen muss, das sich wunderschöne Frauen öffentlich dazu bekennen sich zu hassen, weil sie nicht in Konfektionsgröße XY passen, dann bricht es mir das Herz. Ich bin mir sehr sicher das sie sich in der Regel dann auch nicht mehr lieben werden, wenn sie abgenommen haben. Sie suchen dann eben andere Baustellen an ihrem Körper, die sie in den Focus rücken werden. Ich glaube auch, das das ausgrenzen von Menschen die nicht ins Raster passen immer der selben Struktur folgt. Die Ausprägung ist zum Glück nicht die selbe wie beim Thema Antisemitus. Trotzdem sollte sich die Gesellschaft mal fragen, warum sie immer eine Sau braucht, die man publikumswirksam durchs Dorf treibt. Ich danke dir sehr für deine Gedanken. Liebe Grüße Christina

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  4. Hallöchen,
    Ich bin heute auf deinen Blog gestoßen und finde deinen Beitrag wirklich super! Das müsste man sich jeden Tag mindestens einmal durchlesen bis es ein Teil unseres Bewussteins wird!!! So wie die mediale Meinung über das „richtige“ Aussehen sich in unser Bewustsein schleicht! Damit meine ich nicht nur die Modeindustrie! Was ja schon schlimm genug ist! Ich könnte jedes mal kotzen (Entschuldigung für diesen Ausdruck) wenn ich Filme sehe und die einzige Dicke Frau, die neben den ganzen wundervoll schlanken Frauen als das eckelhafteste dargestellt wird was die Welt je gesehen hat!!! Ein Beispiel ist „der Schlussmacher“! Da gibt es diese Szene mit der dicken Frau, die unvorteilhaft gestylt ist und so rüberkommt wie ein wildes Schwein!!! Bei der Szene habe ich mich echt schlecht gefühlt! Und so wie du schreibt ist es mit all den anderen Vorgezeichneten Bildern: die blöde Blondine, … U.s.w.
    Ich wäre schon gerne schlanker und disziplinierter …. Aber es klappt einfach nicht und was soll man machen… Ich bin wie ich bin… Ich kann nicht dauerhaft hungern um dauerhaft schlank zu sein!!! Ich genieße das Leben, versuche mich gesund zu ernähren und Sport zu machen um gesünder und fitter zu sein! Aber Kilos purzeln dabei leider nicht!
    wir können nur versuchen an unserem eigenen Verhalten und Ansichten zu arbeiten, damit wir diese falschen Bilder nicht an unsere Kinder weitergeben! Dazu habe ich eine schöne Geschichte. Ich bin auch etwas füllig und meine Tochter liebt es. Sie sagt ich soll nicht abnehmen weil ich so schön kuschelig und weich bin :-))
    Alles Liebe
    Valentina

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    1. Liebe Valentina, ich bin sehr gerührt von deinem Kommentar und habe mich sehr über dein ehrliches Feedback gefreut. Was für mich besonders Wertvoll ist, das deine Tochter ein wunderbares Beispiel dafür ist, dass Kinder in der Regel uns Erwachsenen nicht nach ihrer Hülle beurteilen. Wenn sie es doch tun, dann spiegeln sie in der Regel die Art und Weise, in der wie sie Beeinflussen. Deine Tochter liebt dich und sie erlebt dich als weich und kuschelig. Ich glaube nicht mal, dass sie zwangsläufig deinen Körper meint, sondern dich einfach liebt wie du bist, was du für sie ausstrahlst und wie sehr du ihr Geborgenheit vermittelst. Das rührt mich zu Tränen, weil mein Sohn mir neulich das selbe gesagt hat. Ich würde mir wünschen, das wir unsere Kinder weiterhin so stärken, das sie den Menschen ganzheitlich beurteilen und nicht an Hand von optischen Merkmalen. Liebe Valentina, genieße, liebe und lebe! Das sind die Dinge die Wichtig sind. Nicht die vermeintliche Meinung der anderen, die möglicherweise auch nur ein Echo von dem sind, was wir glauben, was sie denken. Danke noch mal für deinen Kommentar.

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  5. Liebe Christina,

    ich weiß nciht woher du diese Kraft nimmst und ich bin zutiefst beeindruckt von dir und deinen Worten. Ich selbst bin dick, zu dick. Ich esse einfach zu viel – ja, das weiß ich. Und ich bin wohl ein parade Beispiel für die Opfer des Body shaming.
    Wenn ich raus gehe um Fahrrad zu fahren werde ich blöd angemacht: „rutner vom Rad du fette Sau – hat doch eh keinen Wert!“ Sowas muss ich mir anhören. Und wenn ich nach einer 100 km langen Radtour mit dem Zug nach hause fahre werde ich angepöbelt: „du nimmst doch eh schon so viel Platz weg, und dann noch das Rad?!“
    Wenn ich laufen gehe, wird mir hinterhergeschaut – verachtend. Wenn ich im WInter auf der Piste Skifahre werde ich blöd angeschaut. Es scheint als sei es ok auf Dicke herabzusehen.
    Ganz ehrlich: Ich hasse es mittlerweile Radzufahren, weil ich Angst davor habe wieder gedemütigt zu werden.
    Komischerweise werde ich nicht komisch angeschaut wenn ich einen Burger esse.

    Ich schäme mich. Ich schäme mich für mein Aussehen. Ich schäme mich so sehr, dass ich nur dann ins Fitnessstudio gehe, wenn sonst noch niemand da ist. um 5:30 uhr in der früh.

    Ich würde alle dafür geben einfach schlank zu sein. Wie machst du das? Wie machen das andere? Ich würde mich auch wirklich gerne wohl mit mir fühlen. Was habt ihr getan, dass es Klick gemacht hat in eurem Kopf und ihr euch so lieben konntet wie ihr seid?

    Liebe Grüße, Tina

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    1. Liebe Tina, für eine Antwort auf deinen sehr emotionalen Kommentar brauche ich etwas Zeit. Du schreibst über vieles was mich bewegt. Vielleicht werde ich das als Anlass nehmen mal einen Blogpost darüber zu verfassen. Danke schon mal hier, für deine emotionalen Worte.

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